So sehen Champions aus – vorausschauende Geschäftspolitik zeigt Wirkung

Vertreterversammlung der Volksbank Alzey-Worms blickt auf sehr gutes Geschäftsjahr 2018 zurück

Bericht: Kristina Telge

Musikalische Klänge hört man bei der Vertreterversammlung der Volksbank Alzey-Worms normalerweise eher selten. In der diesjährigen Veranstaltung hatte man aber allen Grund dazu, und es wurde nicht irgendein Lied gespielt, sondern mit „We Are The Champions“ ganz bewusst einer der größten Hits der Rockgruppe „Queen“.

Das kann man durchaus wörtlich verstehen, denn die Bank gehört zusammen mit 874 weiteren genossenschaftlichen Kreditinstituten zur einem der stärksten und solidesten Finanzverbünde in Deutschland. Man grenzt sich scharf ab von dem, was die Politik gerne als „nationalen Champion“ sehen würde – bzw. gesehen hätte, wie Vorstandssprecher Armin Bork in seiner Rede deutlich machte. Damit zielte er – natürlich – auf die gescheiterten Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank ab und zitierte dazu die BVR-Präsidentin Marija Kolak: „Nationale Champions bilden sich im Wettbewerb, nicht durch staatliche Intervention.“ Und wie ein solcher aussehen sollte beantwortete er mit einem Artikel der Börsenzeitung, in dem es dazu hieß: „Frag nach bei den Volks- und Raiffeisenbanken.“

Ein paar kritische Worte zur momentanen gesellschaftspolitischen Lage merkten sowohl Armin Bork als auch der Aufsichtsratsvorsitzende Axel Haas zunächst an. Während Haas in seiner Begrüßung ans Plenum appellierte, sich auch „im Kleinen“ wieder mehr auf Gemeinschaft und Verbindendes zu besinnen und das eigene Ego öfter mal hintan zu stellen, um die wichtige gesellschaftliche Mitte und die Fähigkeit zum Kompromiss nicht zu verlieren, ging es Armin Bork – in gleicher Hinsicht - um ein starkes Europa und das Zusammenstehen gegen Demagogie und aufflammenden Nationalismus einzelner Staaten.

Beide waren sich auch darin einig, dass das Genossenschaftswesen gerade vor diesem brandaktuellen Hintergrund im Hinblick auf Demokratie, gesundes Wirtschaften und gemeinschaftliche Hilfe zur Selbsthilfe großartige Arbeit leistet.   

Bei aller Freude über die gute Verfassung seiner Bank, zu der ein top-ausgebildetes Mitarbeiterteam maßgeblich beitrage, blieb Armin Bork jedoch trotzdem auch Realist. „Die Ertragslage steht unter Druck und vor allem der Zinsüberschuss wird weiterhin zurückgehen.“ Die fortschreitende Digitalisierung, der man sich nicht verschließen dürfe, die andauernde Niedrigzinsphase sowie die immensen Kosten für überbordende Regulatorik werden auch in Zukunft das Budget der Volksbank immens belasten.

Man begegne dem, indem man z.B. einerseits das Filialnetz stetig überprüfe, gleichzeitig aber auch weiter in die genossenschaftliche Beratung investiere. Außerdem bewege man sich in neuen Geschäftsfeldern wie z.B. der Baulanderschließung für dringend benötigten Wohnraum. So ist man Gründungsmitglied der neu gegründeten Erschließungsgesellschaft Rheinhessen.

Für 2018 hat die Bank unter Berücksichtigung der gegebenen schwierigen Bedingungen ein sehr gutes Ergebnis eingefahren. Die Bilanzsumme hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 190,4 Mio. Euro auf 3.715,8 Mio. Euro erhöht. Haupttreiber war dabei das starke Kundenkreditgeschäft mit einem Plus von 174,3 Mio. (6,8 %) auf 2.739,6 Mio. Euro. In diesem Zusammenhang stellte Bork mit der Online-Kreditvermittlungsplattform „GenoPace“ ein neues digitales Vertriebsinstrument vor.

Wiederum sehr erfolgreich hat die Tochter „Volksbank-Immobilen GmbH“ gearbeitet, die mit 144 vermittelten Objekten und 1,8 Mio. Euro Provisionsumsatz ein tolles Ergebnis hinlegte.

Der Zinsüberschuss ging um 830,2 TEUR zurück. Hierbei zeigte Armin Bork die Entwicklung seit 2014 auf, die trotz gestiegenem Kreditvolumen von 450 Mio. Euro ein saldiertes Minus von 18 Mio. Euro aufweist.

Der Provisionsüberschuss reduzierte sich um 1,0 Mio. Euro auf rd. 21,5 Mio. Euro.

Die Verwaltungsaufwendungen gingen gegenüber dem Vorjahr um 200,0 TE auf 59,5 Mio. zurück, damit setzte man diesen Trend im vierten Jahr in Folge fort.

Das Betriebsergebnis vor Bewertung verringerte sich um 2,7 Mio. Euro auf 35,0 Mio. Euro Grund dafür sind einerseits die Zahlungen für die Kreditvermittlungen i.H.v. 1,0 Mio. Euro und andererseits Pensionsrückstellungen i.H.v. 1,7 Mio. Euro. Somit ist man mit dem Ergebnis sehr zufrieden, wie Armin Bork betonte.  

Aus dem Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit von 35,3 Mio. Euro dotierte man den Fonds für allgemeine Bankrisiken mit 13,5 Mio. Euro, die Rücklagen mit 6,0 Mio. Euro (plus eine Vorwegzuweisung in Höhe von 2,0 Mio. Euro) und leistete mit 12,4 Mio. Euro an Steuerzahlungen einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl.

Der Dividendensatz verblieb auf 4 %, was einer ausgezahlten Summe von 1,4 Mio. Euro an die Mitglieder entspricht. 

Armin Borks Fazit: „Wir haben erneut ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr mit überdurchschnittlichem Betriebsergebnis hinter uns gebracht und sind sehr zufrieden mit der Entwicklung sowohl der Kundenforderungen als auch der -einlagen. Unter den aktuellen Gegebenheiten sind wir für die Zukunft gut aufgestellt, denn wir sind eigenkapitalstark und verfügen über bestens geordnete Verhältnisse.“

Die Entlastungen von Aufsichtsrat und Vorstand sowie die Wiederwahl der AR-Mitglieder Astrid Auer, Uwe Kistner, Manfred Ludwig, Harald Silz, Michael Stache und Philipp Wittmann erfolgten einstimmig. Weiterhin wählte man – ebenfalls einstimmig - einen neuen Wahlausschuss zur Vorbereitung der Vertreterwahlen im nächsten Jahr.

Am Ende ergriff Sabine Hermsdorf das Wort und stellte sich – momentan noch als Generalbevollmächtigte fungierend – als künftiges neues Vorstandsmitglied vor. Dabei ließ sie zunächst kurz ihren bisherigen beruflichen Werdegang Revue passieren – sie blickt auf 20 Jahre im mittelständischen Firmenkundengeschäft bei der Deutschen Bank zurück – und reflektierte ihren bisherigen Weg hin zur Genossenschaftsbankerin, auf dem sie einen guten Start hingelegt hat. In diesem Zusammenhang dankte sie ganz ausdrücklich dem Aufsichtsratsgremium für den Vertrauensvorschuss und den künftigen Vorstandskollegen sowie dem gesamten Mitarbeiterteam für die Hilfe und Unterstützung und freut sich auf die Zukunft und darauf, „die Volksbank Alzey-Worms gemeinsam mit einem starken Team weiter voranzubringen.“ Sie versprach, dafür mit all ihrer Kraft zu arbeiten.