Vertreterversammlung 2016

14.06.2016

Pressebericht

„Was unterscheidet die heutige Veranstaltung von der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft?“ Mit dieser Frage eröffnete der Aufsichtsratsvorsitzende Axel Haas die Vertreterversammlung für das Geschäftsjahr 2015 und hatte auch gleich mehrere Antworten parat: Bei einer Genossenschaftsbank gibt es keine „Groß- und Kleinaktionäre“ mit verschieden großem Einfluss, sondern es gilt die Devise der Gleichberechtigung: “Ein Mitglied, eine Stimme.“ Außerdem mache die regionale Nähe einen Unterschied, so Haas, „ Dem Vorstand einer börsennotierten Großbank begegnen Sie einmal im Jahr. Uns Verwaltungsmitglieder Ihrer Volksbank können Sie dagegen jederzeit auf der Straße treffen und uns direkt sagen, ob Sie mit unserer Arbeit zufrieden sind.“

Gutes Jahr unter schwieriger werdenden Bedingungen
In seinem Jahresrückblick betonte der Vorstandsvorsitzende, Bernd Hühn, dass die Fusionshausaufgaben, die durch den Zusammenschluss mit der VR-Bank Mainz noch zu erledigen waren, bewältigt sind. Er sprach dabei „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Weinend deshalb, weil er zum Ende des Jahres seine Volksbank verlässt und in den Ruhestand wechselt und lachend, da das Geschäftsjahr für die Bank sehr zufriedenstellend verlaufen ist – wenn auch die äußeren Bedingungen alles andere als einfach waren. Der Strafzins der EZB für Einlagen, bzw. immer härtere Vorgaben der Regulierer, die auf kleinere Bankengruppen keine Rücksicht nehmen, stellen vor allem Volksbanken und Sparkassen vor große Probleme. Die Sinnhaftigkeit, so Hühn, sei oftmals anzuzweifeln. Besondere Brisanz habe auch die geplante europaweite Vereinheitlichung der Sicherungseinrichtungen für Banken. Das funktionierende Modell der Genossen und auch das der Sparkassenorganisation würde durch ein System ausgehebelt, das Gefahr laufe, Staatsschulden quasi durch die Hintertür der Allgemeinheit aufzubürden.

Die Banken stehen vor dem Spagat der sinkenden Erträge und steigenden Kosten. Dies führe zu existenzbedrohenden Einbußen im gesamten Kreditgewerbe und zwingt zu unpopulären Maßnahmen, wie Personalabbau oder Straffung des Filialnetzes. Gefragt seien hier Kreativität und Durchhaltevermögen. „Diesbezüglich mache ich mir aber für den genossenschaftlichen Finanzverbund keine Sorgen – und erst recht nicht für unsere Volksbank Alzey-Worms.“

 

Wirtschaftliche Entwicklung der Bank in 2015
Das für die Volksbank Alzey-Worms gut verlaufene Jahr belegte im Anschluss Vorstandsmitglied Armin Bork. Die Bilanzsumme erhöhte ich um 91,9 Mio. Euro bzw. 2,9 % auf rund 3,2 Mrd. Euro. Hauptgrund war die rege Kreditnachfrage. Dabei konnte die Bank aufgrund der ausreichenden Liquiditätslage und der stabilen Risikotragfähigkeit alle vertretbaren Kreditwünsche erfüllen. Die bilanziellen Kundenforderungen belaufen sich auf ca. 2,380 Mrd. Euro, das entspricht einem Zuwachs von 89,3 Mio. Euro bzw. 3,9 %. An die genossenschaftlichen Verbundpartner wurden Kredite in Höhe von 356,4 Mio. Euro vermittelt.

Auf der Passivseite erhöhten sich die bilanziellen Kundeneinlagen mit ca. 108,4 Mio. Euro oder 4,5 % auf rund 2,5 Mrd. Euro. Der Trend zu kurzfristigen Einlagen hält hierbei unverändert an. „Insgesamt“, so Armin Bork, „ betreuen wir zusammen mit den Verbundpartnern stattliche 3,9 Mrd. Euro Vermögenswerte“.

Der Gewinn der sehr erfolgreichen Volksbank Immobilien GmbH belief sich in 2015 durch 170 vermittelte Objekte auf 476.000 Euro und markiert das erfolgreichste Geschäftsjahr seit Bestehen.

Der Zinsüberschuss, die wichtigste Einnahmequelle, ist in 2015 wiederum zurückgegangen, und zwar um 0,6 Mio. Euro bzw. 0,7 % auf 81,6 Mio. Euro. Hauptgrund dafür sind langfristige Darlehen, die nun fällig werden und zu deutlich geringeren Konditionen wieder angelegt werden.

Das Provisionsergebnis hat sich um rd. 0,5 Mio. Euro bzw. 2,3 % auf rund 21,0 Mio. Euro verringert.

Aufgrund der Tariferhöhung im letzten Jahr erhöhten sich auch die Personalkosten um 0,5 Mio. Euro bzw. 1,2 % auf 41,0 Mio. Euro. Die anderen Verwaltungsaufwendungen gingen um 0,4 Mio. Euro bzw. 2,2 % auf 17,8 Mio. Euro zurück.

Das Betriebsergebnis vor Bewertung bildete sich – dem allgemeinen Trend folgend – auf 36,3 Mio. Euro leicht zurück, ist jedoch mit einem Wert von 1,15 % der durchschnittlichen Bilanzsumme immer noch überdurchschnittlich und liegt über den Planungen. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit liegt bei 28,7 Mio. Euro. Davon wurde der Fonds für allgemeine Bankrisiken mit 10,0 Mio. Euro (auf nunmehr 140 Mio. Euro) dotiert. Mit 10,8 Mio. Euro Steuern leistete die Bank darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl. Der Bilanzgewinn beträgt 7,9 Mio. Euro.

Armin Bork‘s Blick in die Zukunft: „Das für 2016 geplante Wachstum bei den Krediten werden wir erreichen und bei den Einlagen sogar überschreiten. Unsere Ertragskraft ist weiterhin überdurchschnittlich, die Ertragslage jedoch leicht rückläufig“.

Der sich ständig verringernde Zinsüberschuss erfordere Überlegungen nach Einsparpotenzial, daher wird man das Filialnetz einer Prüfung unterziehen. Die Entscheidungen jedoch, so versicherte Bork, werden überlegt getroffen und werden sich daran orientieren, was vernünftig und wirtschaftlich vertretbar ist.

 

… und so ging es nach dem Vorstandsbericht weiter:
In sehr emotionalen Worten wandte sich Armin Bork an seinen Kollegen Bernd Hühn, der zum Jahresende in den Ruhestand gehen wird. Armin Bork wird ihm als Vorstandssprecher nachfolgen.

Der Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat, die Dividende auf 5 % festzulegen und 6 Mio. Euro den Rücklagen zuzuführen, wurde von der Vertreterversammlung einstimmig angenommen.

Carlo Wolf, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, verlas das zusammengefasste Prüfungsprotokoll des Genossenschaftsverbandes Verbandes, das der Volksbank Alzey-Worms – ohne Beanstandungen - eine vorbildliche Geschäftsführung bescheinigt.

Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat wurden Astrid Auer, Uwe Kistner, Manfred Ludwig, Harald Silz, Michael Stache und Philipp Wittmann jeweils einstimmig wiedergewählt.

Der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel gratulierte in einem Grußwort der Stadt der Volksbank zu ihrem guten Geschäftsjahr. Er bezeichnete die genossenschaftliche Bankengruppe, (genauso, wie auch die Sparkassenvereinigung) als „Garant der Stabilität“ und würdigte überdies die Sponsoring-Leistungen der Volksbank für die Region, „ohne die vieles nicht möglich wäre“.

Zum Ausklang unterhielt Andreas Schmitt, bekannt als Sitzungspräsident und Obermessdiener von „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ die Gäste mit einem launigen Vortrag zum Thema „200 Jahre Rheinhessen“.